Tausende Britinnen und Briten leben in Deutschland, und jedes Jahr kommen neue hinzu: für einen Job in München, ein Studium in Berlin oder weil sie einen deutschen Partner heiraten. Seit dem Brexit gelten für sie viele Regeln, die früher für EU Bürger galten, nicht mehr. Das betrifft auch die Frage, welche Dokumente deutsche Behörden akzeptieren und in welcher Form.

Ob Standesamt, Ausländerbehörde, Arbeitgeber oder Führerscheinstelle: Englischsprachige Urkunden werden in Deutschland nur selten ohne Übersetzung angenommen. Dieser Beitrag zeigt, worauf Sie achten müssen.

Welche britischen Dokumente häufig gebraucht werden

  • Birth Certificate für Eheschließung, Einbürgerung oder Kindergeld
  • Marriage Certificate und Decree Absolute nach einer Scheidung
  • Degree Certificates und Transcripts für Anerkennung und Bewerbung
  • Police Certificates für bestimmte Berufe und Aufenthaltstitel
  • Driving Licence für die Umschreibung in einen deutschen Führerschein
  • Company Documents für Gründungen und Handelsregister

Britische Urkunden unterscheiden sich in Form und Inhalt von deutschen. Ein Birth Certificate kann als Kurzform oder Langform ausgestellt sein, und nicht jede Version wird von deutschen Standesämtern akzeptiert. Klären Sie deshalb vorher, welche Fassung verlangt wird.

Wer in Deutschland beglaubigt übersetzen darf

Deutsche Behörden verlangen in der Regel eine Übersetzung durch einen in Deutschland gerichtlich ermächtigten oder beeidigten Übersetzer. Eine Übersetzung mit britischem Certified Statement reicht meist nicht aus. Ein vereidigter Übersetzer Englisch bestätigt mit Unterschrift und Stempel, dass die deutsche Fassung vollständig und richtig ist. Diese Form wird bundesweit von Ämtern und Gerichten anerkannt.

Wichtig ist, dass die Übersetzung mit dem Original oder einer beglaubigten Kopie verbunden ist, damit die Behörde sie eindeutig zuordnen kann.

Apostille, ja oder nein

Für viele britische Dokumente verlangen deutsche Behörden zusätzlich eine Apostille. Sie bestätigt die Echtheit der Unterschrift und des Siegels auf der Urkunde. Im Vereinigten Königreich stellt das Legalisation Office des Außenministeriums die Apostille aus. Wie der Antrag funktioniert, erklärt die britische Regierung auf ihrer Seite zur Legalisierung von Dokumenten.

Die Reihenfolge ist entscheidend: Zuerst wird die Apostille auf dem britischen Original angebracht, danach wird beides zusammen übersetzt. Wer die Übersetzung vorher anfertigen lässt, muss sie später unter Umständen ergänzen.

Besonderheiten britischer Urkunden

Britische Dokumente enthalten Begriffe, die es im deutschen Recht nicht gibt. Ein Registrar ist nicht genau ein Standesbeamter, ein Decree Nisi kein vollständiges Scheidungsurteil, und ein Solicitor ist kein deutscher Rechtsanwalt im engeren Sinne. Gute Übersetzer wählen die passende Entsprechung und ergänzen bei Bedarf eine kurze Erläuterung. Auch englische Datumsangaben, Ortsbezeichnungen wie Counties und Namenszusätze müssen korrekt übertragen werden.

Was eine beglaubigte Übersetzung kostet

Der Preis hängt von Umfang, Lesbarkeit und Art des Dokuments ab. Standardurkunden wie Geburts oder Heiratsurkunden werden oft pauschal berechnet, längere Dokumente nach Zeilen oder Wörtern. Hinzu kommen gegebenenfalls Versandkosten für das Original mit Stempel. Einen ausführlichen Überblick zum Thema beglaubigte Übersetzung Kosten mit typischen Preisen in Deutschland gibt ein eigener Ratgeber.

Führerschein nach dem Brexit

Ein häufiges Thema ist der britische Führerschein. Seit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU muss er nach einer Übergangsfrist in einen deutschen Führerschein umgeschrieben werden, wenn der Wohnsitz in Deutschland liegt. Die Führerscheinstellen verlangen dafür häufig eine Übersetzung oder einen internationalen Führerschein. Informieren Sie sich frühzeitig bei der zuständigen Behörde, denn die Bearbeitung kann einige Wochen dauern.

Typische Fehler

  • Eine britische Übersetzung einreichen, die in Deutschland nicht anerkannt wird
  • Die Apostille vergessen oder erst nach der Übersetzung beantragen
  • Eine Kurzform der Geburtsurkunde vorlegen, obwohl die Langform verlangt ist
  • Uneinheitliche Schreibweisen von Namen in verschiedenen Dokumenten
  • Zu spät planen, sodass Fristen bei Behörden verstreichen

Heiraten in Deutschland als britischer Staatsbürger

Besonders viele Dokumente verlangt das Standesamt, wenn ein britischer Staatsbürger in Deutschland heiraten möchte. Neben Reisepass und Geburtsurkunde wird häufig ein Nachweis über den Familienstand gefordert, bei früheren Ehen zusätzlich das Scheidungsurteil oder die Sterbeurkunde des früheren Partners. Da das Vereinigte Königreich kein Ehefähigkeitszeugnis im deutschen Sinne ausstellt, verlangen manche Standesämter eine eidesstattliche Erklärung oder eine Befreiung durch das Oberlandesgericht. All diese Unterlagen müssen in der Regel mit Apostille und beglaubigter Übersetzung vorgelegt werden. Weil die Anforderungen von Standesamt zu Standesamt etwas variieren, lohnt sich ein persönliches Vorgespräch, bevor Urkunden aus Großbritannien bestellt werden.

Berufsabschlüsse anerkennen lassen

Wer in Deutschland in einem reglementierten Beruf arbeiten möchte, etwa als Lehrer, Pflegekraft, Arzt oder Ingenieur, muss seinen britischen Abschluss anerkennen lassen. Dafür werden Zeugnisse, Fächerübersichten und Nachweise über Berufserfahrung benötigt, meist in beglaubigter deutscher Übersetzung. Je nach Beruf und Bundesland sind unterschiedliche Stellen zuständig. Planen Sie für dieses Verfahren mehrere Monate ein.

Unternehmen und Gründungen

Auch britische Unternehmen, die in Deutschland eine Niederlassung oder Tochtergesellschaft gründen, brauchen Übersetzungen. Das Handelsregister verlangt Auszüge aus dem Companies House, Gesellschafterbeschlüsse und Vollmachten in beglaubigter deutscher Fassung. Notare prüfen diese Unterlagen sehr genau, denn sie haften für die Richtigkeit der Eintragung. Wer frühzeitig klärt, welche Dokumente benötigt werden, verhindert, dass sich der Start der Geschäftstätigkeit verzögert.

Gute Vorbereitung spart Zeit

Am besten erstellen Sie eine Liste aller Behördengänge, die in den ersten Monaten anstehen. Besorgen Sie die nötigen Urkunden aus dem Vereinigten Königreich, lassen Sie Apostillen anbringen und geben Sie alle Dokumente gemeinsam zur Übersetzung. So erhalten Sie einheitliche Übersetzungen mit identischen Namensschreibweisen und vermeiden Rückfragen. Mit vollständigen Unterlagen wird der Neustart in Deutschland deutlich entspannter.