Ein Studium in Großbritannien steht bei vielen deutschen Schülern und Studierenden hoch im Kurs. Oxford, Cambridge, Edinburgh, London oder Manchester, die Universitäten genießen weltweit einen hervorragenden Ruf. Englisch als Unterrichtssprache, kürzere Bachelorprogramme und ein internationales Umfeld sind weitere Argumente.

Seit dem Brexit ist der Weg dorthin allerdings bürokratischer geworden. Studierende aus der EU brauchen in der Regel ein Studentenvisum, und die Hochschulen prüfen Bewerbungsunterlagen sehr genau. Wer seine Zeugnisse rechtzeitig und korrekt übersetzen lässt, erspart sich Nachfragen, Verzögerungen und im schlimmsten Fall eine Absage.

Welche Unterlagen die Hochschulen sehen wollen

Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Universität und Studiengang. In den meisten Fällen werden aber diese Dokumente verlangt:

  • das Abiturzeugnis oder ein gleichwertiger Schulabschluss
  • bei Masterbewerbungen das Bachelorzeugnis und das Transcript of Records
  • gegebenenfalls Empfehlungsschreiben von Lehrkräften oder Professoren
  • Nachweise über Praktika oder Berufserfahrung
  • ein Sprachnachweis wie IELTS oder TOEFL

Liegen diese Dokumente nur auf Deutsch vor, verlangen die Universitäten eine englische Übersetzung. Oft genügt keine einfache Übersetzung, sondern es wird eine bestätigte, also zertifizierte Fassung erwartet.

Beglaubigt, zertifiziert, offiziell

Hier entsteht oft Verwirrung. In Deutschland gibt es beeidigte oder ermächtigte Übersetzer, deren Stempel eine Übersetzung offiziell macht. In Großbritannien existiert dieses System nicht. Dort gilt eine Übersetzung als zertifiziert, wenn der Übersetzer oder das Übersetzungsbüro schriftlich bestätigt, dass sie vollständig und korrekt ist.

Für deutsche Bewerber ist eine beglaubigte Übersetzung Englisch durch einen in Deutschland ermächtigten Übersetzer meist die sicherste Wahl. Sie wird von britischen Hochschulen und auch von den Visabehörden in der Regel anerkannt, weil sie die Herkunft und Richtigkeit klar belegt.

Bewerbung über UCAS

Für Bachelorstudiengänge läuft die Bewerbung zentral über UCAS, den britischen Bewerbungsdienst für Hochschulen. Dort finden Bewerber Fristen, Hinweise zu den Unterlagen und Informationen speziell für internationale Studierende. Für Medizin, Zahnmedizin und die Universitäten Oxford und Cambridge gelten besonders frühe Fristen, oft schon im Oktober des Vorjahres.

Masterbewerbungen laufen dagegen meist direkt über die jeweilige Universität. Jede Hochschule hat eigene Vorgaben, wie Zeugnisse und Übersetzungen hochzuladen sind.

Noten richtig darstellen

Ein häufiges Problem ist die Notenskala. Eine deutsche 1,3 bedeutet einem britischen Zulassungsbüro zunächst wenig. Übersetzer übertragen die Noten nicht in ein britisches System, denn das wäre eine Bewertung und keine Übersetzung. Stattdessen geben sie die Noten genau wieder und können erklären, dass 1,0 die beste und 4,0 die schlechteste bestandene Note ist.

Eine Erklärung der Notenskala in einer Anmerkung hilft den Zulassungsbüros enorm. Manche Universitäten verlangen zusätzlich eine offizielle Bewertung durch eine Anerkennungsstelle, die die Gleichwertigkeit des Abschlusses bestätigt.

Was in eine gute Zeugnisübersetzung gehört

Eine Zeugnisübersetzung muss vollständig sein. Dazu gehören alle Fächer, Noten, Fehlzeiten, Bemerkungen, Stempel und Unterschriften. Auch Siegel und handschriftliche Vermerke werden beschrieben. Eigennamen wie die Schule oder der Studiengang bleiben häufig in der Originalsprache und werden ergänzend übersetzt, damit die Universität sie zuordnen kann.

Wer mehr über die Besonderheiten erfahren möchte, findet in unserem Beitrag, wie man ein Abschlusszeugnis oder Diplom übersetzen lässt, viele praktische Hinweise zu Aufbau und Ablauf.

Das Studentenvisum

Nach der Zusage folgt das Visum. Die Universität stellt eine Bestätigung aus, mit der der Visumantrag gestellt wird. Auch die Visabehörde kann Nachweise verlangen, etwa über finanzielle Mittel, Schulabschlüsse oder Geburtsurkunden bei mitreisenden Kindern. Für alle Unterlagen, die nicht auf Englisch sind, ist eine vollständige Übersetzung mit Bestätigung des Übersetzers nötig.

Zeitplan für die Übersetzungen

Gerade in der Bewerbungsphase herrscht oft Zeitdruck. Ein realistischer Plan sieht so aus:

  1. Frühzeitig klären, welche Unterlagen die gewünschten Universitäten verlangen.
  2. Originale prüfen, ob Namen und Geburtsdaten mit dem Reisepass übereinstimmen.
  3. Übersetzungen gesammelt beauftragen, damit Schreibweisen einheitlich bleiben.
  4. Digitale und gedruckte Fassungen aufbewahren, da manche Stellen Originale sehen wollen.
  5. Puffer einplanen für Rückfragen oder zusätzliche Dokumente.

Kosten und Lieferzeit

Die Kosten für eine beglaubigte Zeugnisübersetzung hängen vom Umfang, der Textmenge und der gewünschten Lieferzeit ab. Ein Abiturzeugnis mit zwei Seiten ist schneller erledigt als ein Transcript of Records mit zwanzig Modulen und ausführlichen Beschreibungen. Viele Büros liefern innerhalb weniger Werktage, Eilaufträge sind gegen Aufpreis möglich. Sinnvoll ist es, alle Unterlagen gemeinsam anzufragen, denn so lassen sich Mengenvorteile nutzen und die Begriffe bleiben einheitlich.

Nach dem Studium in Großbritannien

Auch der umgekehrte Weg will bedacht sein. Wer nach dem Abschluss nach Deutschland zurückkehrt, braucht oft eine deutsche Übersetzung des britischen Abschlusses, etwa für Bewerbungen im öffentlichen Dienst oder für die Anerkennung bei Kammern. Es lohnt sich, das Abschlusszeugnis und das Transcript gleich nach der Graduierung übersetzen zu lassen.

Typische Fehler vermeiden

Viele Bewerber lassen nur die Notenübersicht übersetzen und vergessen die Rückseite mit den Bemerkungen. Andere nutzen eine selbst erstellte Übersetzung, die von der Universität nicht akzeptiert wird. Auch unterschiedliche Schreibweisen des Namens, etwa mit oder ohne Umlaut, sorgen für Rückfragen. Wer hier sorgfältig ist, wirkt gleich professioneller.

Gut vorbereitet nach Großbritannien

Ein Studium im Vereinigten Königreich ist eine Investition in die Zukunft. Die Formalitäten wirken anfangs aufwendig, lassen sich mit guter Vorbereitung aber gut bewältigen. Mit korrekt übersetzten Zeugnissen und einem klaren Zeitplan bleibt mehr Energie für das, was wirklich zählt: die Vorfreude auf ein neues Kapitel auf der Insel.